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PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung

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Der PSA-Test ist eine der häufigsten Selbstzahlerleistungen, aber auch eine der umstrittensten. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Männer sollten also mehr über die Aussagekraft und mögliche Folgebehandlungen wissen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der PSA-Test ist ein Bluttest und zeigt die Konzentration eines bestimmten Eiweißes an, das in der Prostata gebildet wird.
  • Ab vier Nanogramm pro Milliliter Blut werden weitere Untersuchungen gemacht, um einen Krebsverdacht zu bestätigen oder auszuschließen.
  • Die Aussagekraft eines PSA-Tests ist umstritten. Ob man einen PSA-Test durchführen lassen will, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Es gibt gute Gründe dafür, aber auch gute Gründe dagegen.
  • Die Alternative zum PSA-Test ist eine Tastuntersuchung, die die Krankenkasse für Männer ab 45 Jahren einmal pro Jahr bezahlt.
PSA Test
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Was ist der PSA-Test?

Der PSA-Test ist ein Bluttest. Die Abkürzung PSA bedeutet prostata-spezifisches Antigen. Urologen oder auch Hausärzte und Internisten messen die Konzentration des Eiweißes PSA, das in der Prostata gebildet wird. Ziel ist es, das Vorliegen von Prostatakrebs auszuschließen oder einen Tumor möglichst früh zu erkennen. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml). Bei einem gesunden Mann ist der Wert in der Regel niedrig. Liegt der Wert unter 2 ng/ml, genügt laut der wissenschaftlichen Handlungsempfehlung für Ärzte (Leitlinie genannt) bei einem unauffälligem Tastbefund der Prostata eine Kontrolle nach zwei Jahren. Liegt der PSA-Wert zwischen 2 und 4 ng/ml, wird eine Kontrolle nach einem Jahr empfohlen. Bei weniger als 1 ng/ml reicht eine Kontrolle nach vier Jahren. Zu einer Gewebeprobe wird in der Regel ab einem PSA-Wert von vier Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) geraten.

Wie häufig ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern, hat aber gute Heilungsaussichten. Rund 60.000 Männer erkranken in Deutschland jährlich neu daran. In der Statistik der Krebssterbefälle steht Prostatakrebs nach dem Lungenkrebs und dem Darmkrebs an dritter Stelle. Da gerade Prostatakrebs in der Regel langsam wächst und Männer oft erst im hohen Alter erkranken, sterben viele Männer nicht am Tumor, sondern mit ihrem Tumor, also an anderen Erkrankungen.

Was zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Ab einem Alter von 45 Jahren können Männer, die gesetzlich krankenversichert sind, einmal pro Jahr eine Tastuntersuchung in Anspruch nehmen. Der Arzt untersucht dabei die Prostata, die Lymphknoten in der Leiste und die äußeren Geschlechtsteile. Durch den After tastet der Arzt die dem Darm zugewandte Oberfläche der Prostata mit dem Finger ab. Mit dieser digital-rektalen Untersuchung wird bei etwa einem Fünftel aller Patienten ein Tumor entdeckt. Es können jedoch nur bösartige Veränderungen ab einer gewissen Größe erkannt werden.

Bei einem konkreten Krebsverdacht, wenn etwa bei der Tastuntersuchung Veränderungen erkannt werden, wird der PSA-Test zur Kassenleistung. Ebenso übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen dann die Kosten für Gewebeproben und Ultraschalluntersuchungen. Zudem zahlen die Kassen den PSA-Test während einer Krebsbehandlung, beispielsweise bei der Planung und Kontrolle einer Behandlung.

  • Früherkennung ist keine Vorsorge. Auch wenn die Untersuchung oft als „Krebsvorsorge“ bezeichnet wird, verhindert sie nicht die Entstehung von Krebs.

  • Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern, verläuft aber längst nicht immer tödlich.

  • Prostatakrebs wächst in der Regel langsam. Da Männer oft erst im hohen Alter erkranken, sterben viele nicht am Tumor, sondern mit ihrem Tumor, also an anderen Erkrankungen.

  • Wenn 1.000 Männer den PSA-Test in Anspruch nehmen, werden 1-2 von ihnen vor dem Tod durch Prostata-Krebs bewahrt. Etwa 30 Männer erhalten eine Überdiagnose und damit vielleicht eine unnötige und belastende Krebsbehandlung.

  • Es besteht ein hohes Risiko für Überdiagnosen. Denn ein erhöhter PSA-Wert kann auch durch eine Harnwegsinfektion ausgelöst werden, durch eine Entzündung der Prostata, eine gutartige Vergrößerung oder eine Druckeinwirkung.

Was weiß man über den Nutzen?

Der IGeL-Monitor der Krankenkassen bewertet den PSA-Test zur Krebsfrüherkennung als „tendenziell negativ“. Von fünf großen wissenschaftlichen Studien zeigten nur zwei, dass der PSA-Test Männer davor bewahren kann, am Prostatakrebs zu sterben. Dagegen zeigten die Studien übereinstimmend, dass der PSA-Test auch Tumore findet, die den Männern mit hoher Wahrscheinlichkeit nie Beschwerden bereitet hätten. Bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs nur sehr langsam und bereitet bis zum Lebensende keine Beschwerden. Wird der Krebs im Rahmen der Früherkennung gefunden, werden diese Männer unnötig den physischen und psychischen Belastungen einer Krebsbehandlung ausgesetzt. Es besteht also ein hohes Risiko für Überdiagnosen. Denn ein erhöhter PSA-Wert kann auch durch eine Harnwegsinfektion ausgelöst werden, durch eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Zudem kann auch ein Tumor vorliegen, ohne dass der PSA-Wert ansteigt.

Was sagen die Ärzte?

Laut der Leitlinie „Zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ sollten Ärzte Männer, die mindestens 45 Jahre alt sind, über die Möglichkeiten einer Früherkennung informieren, aber auch über die Vor- und Nachteile sowie über die Aussagekraft und möglichen Folgen der Testergebnisse. Die Fachgesellschaft der Hausärzte (DEGAM) sieht das kritischer und empfiehlt: „Männer, die den Wunsch nach einer Früherkennungsuntersuchung mittels PSA in der Hausarztpraxis nicht von sich aus äußern, sollen darauf nicht aktiv angesprochen werden.“

Tipps für Patienten

  • Ob man einen PSA-Test durchführen lassen will, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Es gibt gute Gründe dafür, aber auch gute Gründe dagegen. Nehmen Sie sich Zeit für eine Entscheidung und informieren Sie sich vorher.

  • Früherkennung hat bei einem positiven Testergebnis Konsequenzen. Wer sich für eine Untersuchung entscheidet, sollte dies vorab mit dem Arzt besprechen oder sich zum Beispiel in der Patientenleitlinie informieren (s.u.).

  • Liegt tatsächlich Prostatakrebs vor, gibt es je nach Größe und Aggressivität des Tumors vier Möglichkeiten: Der Krebs kann herausoperiert werden, bestrahlt oder mit Hormonen behandelt werden. Oder man kann unter enger Beobachtung abwarten, wie sich der Krebs entwickelt.

 

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

Patientenleitlinie zur Früherkennung von Prostatakrebs, Juli 2015

Bewertung des IGeL-Monitor: PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

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