Schwangerschaft: Welche Untersuchungen zahlt die Kasse?

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Schwangere Frauen haben Anspruch auf eine Vielzahl an Vorsorge-Untersuchungen und Beratungen mit dem Ziel, den Gesundheitszustand von Mutter und Kind kontinuierlich zu überwachen. In Risikofällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für weitere erforderliche Maßnahmen und bieten zusätzliche Extras freiwillig an. IGeL-Leistungen in der Schwangerschaft sind für eine bessere Vorsorge daher nicht zwingend.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Drei Ultraschalluntersuchungen sind während einer Schwangerschaft Kassenleistung.
  • Auch alle wichtigen Tests auf Erkrankungen wie Röteln, Hepatitis B, HIV oder Schwangerschaftsdiabetes sind für gesetzlich Versicherte kostenfrei.
  • Viele Krankenkassen zahlen ihren Mitgliedern Untersuchungs-Extras als freiwillige Zusatzleistung ("Satzungsleistungen").
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  • Spezielle Untersuchungen wie etwa ein Organ-Ultraschall sind als IGeL selbst zu bezahlen, bei Verdacht auf eine bestimmte Entwicklungsstörung, bei einem unklaren Befund oder einer Risikoschwangerschaft aber Kassenleistung.
  • Wer sich mehr wünscht als gesetzlich vorgesehen, der sollte vorher bei der Krankenkasse nachfragen, welche Leistungen zusätzlich übernommen werden.
  • Wichtig zu wissen: Ultraschalluntersuchungen bieten keine hundertprozentige Sicherheit, dass das Kind gesund ist.

Welche Kassenleistungen für Schwangere gibt es?

In der Mutterschaftsrichtlinie ist geregelt, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Untersuchungen von Mutter und Kind (Beurteilung des Gesundheitszustandes, Erkennung von Risikoschwangerschaften)
  • Kontrolle von Blutdruck und Gewicht der Mutter
  • Urinuntersuchung auf Eiweiß und Zucker
  • 3 Basis-Ultraschalluntersuchungen
  • Tastuntersuchungen zur Beurteilung von Stand der Gebärmutter und Kindslage
  • Kontrolle der kindlichen Herzaktivitäten
  • Blutuntersuchungen: Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor, Antikörper-Suchtests (AK), Hämoglobinbestimmung sowie Tests auf Infektionen von Chlamydien, Röteln, Lues (Syphilis) und Hepatitis B
  • Toxoplasmose-Test (bei begründetem Verdacht auf eine Infektion)
  • Test auf Schwangerschaftsdiabetes
  • HIV-Test
  • Impfung gegen saisonale Influenza
  • Aufklärung zur Mundgesundheit und Ernährungsempfehlungen (z.B. erhöhte Jodzufuhr).

Bluttest zur Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors: neue Leistungen

Bisher wurden alle Rhesus-negativen Schwangeren mit Anti-D-Immunglobulinen behandelt. Das ist medizinisch unnötig, denn das Risiko einer Sensibilisierung der Mutter besteht nur bei einem Rhesus-positiven Kind. Der Hintergrund: Erwarten Frauen mit negativem Rhesusfaktor ein Rhesus-positives Kind, kann das mütterliche Blut Abwehrstoffe gegen den Rhesusfaktor des Kindes bilden.

Seit Juli 2021 gibt es für Schwangere einen neuen Bluttest. Dieser bestimmt, ob Sie eine vorsorgliche Behandlung mit Anti-D-Prophylaxe benötigen. Mit dem neuen Test wird im Labor die DNA des Kindes im mütterlichen Blut analysiert und so der Rhesusfaktor des Ungeborenen ermittelt. Es sollen die Schwangeren gefunden werden, die von der Behandlung auch wirklich profitieren. Ist das Kind Rhesus-positiv, erhält die Mutter die Anti-D-Immunglobuline. Getestet werden darf frühestens ab der 12. Schwangerschaftswoche. Unnötige Medikamentengaben werden somit vermieden.

Da es sich um eine vorgeburtliche genetische Untersuchung handelt, gelten die ärztlichen Aufklärungs- und Beratungsverpflichtungen nach den Vorgaben des Gendiagnostikgesetzes.

Grundsätzlich darf hier die vorgeschriebene fachgebundene genetische Beratung nur durch Humangenetiker sowie durch die Gynäkologen erfolgen, welche über die entsprechende Qualifikation nach dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) und den Richtlinien der Gendiagnostik-Kommission verfügen.

Trisomie-Test bei Risikoschwangerschaften wird Kassenleistung

Mit einem speziellen Bluttest können Schwangere ab der 10. Woche untersuchen lassen, ob ihr Kind eine Trisomie hat. Bislang musste der so genannte Pränataltest (NIPT) privat gezahlt werden. Dabei handelt es sich nicht um eine Standard- oder Routineuntersuchung in der Schwangerschaft.

Voraussichtlich ab Frühjahr 2022 wird im Rahmen der vorgeburtlichen Untersuchungen der Pränataltest zur Kassenleistung. Nach Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist die Untersuchung in begründeten Einzelfällen mit besonderen Risiken und nach ärztlicher Beratung durchzuführen.

Bei der Untersuchung werden Erbgutbestandteile des Kindes aus dem Blut der Schwangeren auf Gendefekte bzw. auf Trisomien 13, 18 oder 21 untersucht. Anders als bei der Fruchtwasseruntersuchung besteht bei der Trisomie-Bluttestuntersuchung kein Risiko einer Fehlgeburt.

Bei der Trisomie 21 handelt es sich um das so genannte Down-Syndrom, bei dem Menschen in jeder Körperzelle ein Chromosom mehr als andere haben. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden. Außer dem Down-Syndrom können mit dem Test auch die selteneren und schwerwiegenderen Trisomien 13 und 18 erkannt werden.

Folgen einer Trisomie sind geistige und körperliche Behinderungen und eine verzögerte Entwicklung. Die Ausprägungen sind aber sehr unterschiedlich.

Behandelt werden kann eine Trisomie nicht. Daher sollte möglichst eine psychosoziale und ärztliche Beratung vor und nach der Untersuchung in Erwägung gezogen werden. Nach einem auffälligen Befund können werdende Eltern Kontakte zu Schwangerschaftsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Behindertenverbänden aufnehmen.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie auf der Webseite des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Welche Ultraschalluntersuchungen zahlt die Kasse?

Die drei gesetzlich vorgesehenen Basis-Ultraschalluntersuchungen finden um die 10., die 20. und die 30. Schwangerschaftswoche statt. Sie dienen der regelmäßigen Kontrolle, ob die Schwangerschaft normal verläuft und ob sich das Kind altersgemäß ohne Fehlbildungen und Funktionsstörungen entwickelt. Seit 2013 können Schwangere beim zweiten Basis-Ultraschall zwischen dem normalen oder dem erweiterten Ultraschall wählen. Hierbei werden zusätzlich wichtige Körperteile des Kindes (Kopf, Hals, Rücken, Brust und Rumpf) genauer untersucht. Richtlinien geben vor, dass Ärzte dafür über eine besondere Qualifikation und Apparatur verfügen müssen, andernfalls muss an einen geschulten Kollegen überwiesen werden.

Welche Zusatzleistungen bieten Ärzte an?

Seit dem 01. Januar 2021 sind Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft, die nicht medizinisch notwendig sind, untersagt. Es sind im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge drei Ultraschalluntersuchungen, auch Sonografie genannt, vorgesehen.

Der IGEL-Monitor kam im Jahre 2016 zu dem Ergebnis, dass die zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen keinen medizinischen Nutzen haben.

Wissenschaftliche Studien zeigten keine ausreichenden Hinweise auf einen Nutzen bei der Frage, ob mit zusätzlichen Ultraschall-Untersuchungen die Gefahr der Säuglingssterblichkeit reduziert werden kann, ob Fehlbildungen, Wachstumsstörungen oder auch Geburtsrisiken besser erkannt werden können, und ob die elterlichen Bindung an das Kind stärker wird.

Demnach ist seit dem 01. Januar 2021 im Rahmen der neuen Strahlenschutzverordnung das sogenannte "Babyfernsehen" verboten.

Beim "Baby-TV" macht der Gynäkologe 3D- und 4D-Ultraschalluntersuchungen, die einzig und alleine dem Zweck dienen, Bilder oder Filme von dem Ungeborenen zu machen. Solche medizinisch nicht notwendigen Ultraschall-Untersuchungen dürfen zum Schutz des Fötus nicht mehr durchgeführt werden, da mit Beginn der Knochenbildung wesentlich mehr Schallenergie am Knochen absorbiert wird. Die im Rahmen der normalen Schwangerschaftsvorsorge durchgeführten und von den Kassen bezahlten 2D-Untersuchungen bleiben. Stellen Ärzte Auffälligkeiten in der Entwicklung des Kindes fest, dürfen sie auch nach 2021 einen 3D- oder 4D- Ultraschall durchführen. Dies kann beispielsweise bei Verdacht auf eine bestimmte Entwicklungsstörung, einem unklaren Befund oder einer Risikoschwangerschaft als Kassenleistung erfolgen. Meist müssen Schwangere dafür eine spezialisierte Praxis aufsuchen.

Tipps für Patientinnen

  • Kostenpflichtige Zusatzangebote in der Schwangerschaft sollten Patientinnen stets kritisch hinterfragen und sich von ihrem Arzt ausführlich beraten lassen.
     
  • Wer sich mehr wünscht als gesetzlich vorgesehen, der sollte vor Inanspruchnahme bei seiner Krankenkasse nachfragen, welche Leistungen zusätzlich übernommen werden.
     
  • Je nach Satzung der Krankenkassen sind Extraleistungen möglich wie z.B. zusätzliche Hebammenrufbereitschaft, alternative Heilmittel, Nackenfaltenmessung, Zahnvorsorge in der Schwangerschaft oder Geburtsvorbereitungskurse für Väter.

 

 

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